Kenneth Ring definierte in seinen Untersuchungen über NTEs sogenannte Kernerfahrungen (core experiences). Sie werden auch als tiefe Erfahrungen bezeichnet. Ein Kriterium einer solchen Kernerfahrung ist der Besuch in andersgearteten Welten. Unser Wortschatz könne diese andersgearteten Dimensionen aber nicht adäquat wiedergeben. Trotzdem zeigen sich oft starke, manchmal auch amüsante Parallelen zur uns bekannten Welt. So erleben sich die Erfahrenden in Naturlandschaften mit Wiesen, Blumen und Bäumen. Neben den uns bekannten Formen und Farben werden diese Landschaften aber als schöner, leuchtender, irgendwie transzendenter erlebt. Manche sehen fantastische Städte aus gleissendem, aber nicht blendendem Gold, bevölkert von Menschen in wallenden Gewändern. Es können auch bekannte technische Elemente vorkommen: einer wird von einem Taxi abgeholt1, der andere mit der Eisenbahn. Jemand trifft auf eine Fabrik oder auf eine Bibliothek, in der alle emsig dem Wissensgewinn nachgehen.
Andere Erfahrungen sind mehr fantastischer Art: Räume voller oszillierender Kugeln in unterschiedlichen Farben, welche Wissen, Musik oder Licht ausstrahlen. Oder erstaunliche Erscheinungen wie Engel und göttliche Wesen. Im Gegenzug sind sogenannte höllische NTEs geprägt von stinkenden, dunklen, lärmigen Kraterlandschaften mit Feuerseen und gehässigen, fratzenhaften, gewalttätigen Wesen.
Offenbar gestalten die eigenen Gedanken diese Welten mit, was darauf hinweisen würde, dass sie teilweise Projektionen eigenen Erlebens sein könnten. Mehrere Erfahrende, darunter die bekannte Autorin P. M. H. Atwater, beschreiben, dass eigene Gedanken oder Empfindungen während der NTE urplötzlich Gestalt angenommen hätten.
Referenzen
- Osis K., Haraldson E. At the Hour of Death, New York 1977, S. 153 u. 163. ↩︎