Häufig gelangen Menschen in einer NTE an eine Grenze. Diese zeigt sich in vielfältiger und symbolischer Form, und wenn sie überschritten wird, hat das den endgültigen Tod zur Folge. Auf diesen Umstand wird entweder explizit hingewiesen, beispielsweise durch eine bereits verstorbene Person auf der anderen Seite dieser Grenze, oder aber der Erfahrende weiss implizit davon, ohne dass es eines Hinweises bedarf. Schon aus mittelalterlichen Todesnäherfahrungen sind solche Grenzen zum Jenseits beschrieben, in Form von Flüssen, Feuerbächen oder Brücken.1 Modernere Topoi sind Zäune, Schluchten, Tore oder Nebel.
Uns ist kein Fall bekannt, in welchem ein Überschreiten dieser Grenze stattgefunden hat. Manche Erfahrende entschliessen sich zurückzukehren, weil ihre Liebe zu den Angehörigen oder das Gefühl der Verantwortung gegenüber den eigenen Kindern zu stark ist. Anderen wird erklärt, ihre Zeit sei noch nicht gekommen oder sie hätten auf Erden noch eine Aufgabe zu erfüllen. Wieder andere werden ohne Vorwarnung zurückgeschickt oder zurückgezogen. In einer erschreckenden NTE aus dem 6. Jahrhundert, die Papst Gregor der Grosse 2 überliefert, und in einigen ebenfalls eher negativen NTEs aus Indien wurde sogar die Verwechslung mit einer anderen Person als Grund der Rückkehr ins Leben angegeben.
Referenzen
- Zaleski C. Otherworld Journeys. Accounts of Near-Death Experience in Medieval and Modern Times. Oxford University Press, Oxford, New York 1987. S. 29. ↩︎
- Zaleski C. Otherworld Journeys. Accounts of Near-Death Experience in Medieval and Modern Times. Oxford University Press, Oxford, New York 1987. S. 29. ↩︎