Susan Blackmore nahm an, dass ein Tunnelerlebnis die Folge einer zentripetal verlaufenden, retinalen Ischämie sein könnte, also einer durch Blutdruckabfall ausgelösten, von aussen nach innen verlaufenden Blutarmut im Netzhautbereich. 1 Dabei komme es in den Nervenzellen der Netzhaut zu Entladungen, die dann im Gehirn die Erfahrung des Durchwanderns eines Tunnels simulieren würden. Gestärkt wird diese Theorie durch Erfahrungen von Kampfpiloten, die unter Trainingsanordnung bei starker Beschleunigung kurz vor dem Bewusstseinsverlust Lichteffekte und tunnelähnliche Erlebnisse haben können. 2 Diese Hypothese könnte auch erklären, warum das helle Licht die Augen nicht verletzt, da ja keine wirkliche Strahlung auf die Netzhaut trifft, sondern nur eine übermässige Entladung in diesen Zellen stattfindet. Auch wurde eine Fehlfunktion des visuellen Kortex diskutiert mit Illusionen oder Halluzinationen der Sehrinde.
Entladungen in der Netzhaut und im visuellen Kortex können allerdings die komplexeren Formen von Tunnelerlebnissen nicht erklären, die während NTEs auftreten. Dazu bräuchte es das Zusammenspiel weiterer Hirnareale. Zudem wird das Licht in den NTEs einheitlich als anziehend beschrieben, da es neben seiner Helligkeit auch weitere, sehr intensive positive Empfindungen hervorruft wie Friede, Liebe, umfassendes Verstehen oder Erkennen. Weiter können auch Figuren in diesem Tunnel erscheinen, seien dies Verstorbene oder engelhafte Wesen. Diese zusätzlichen Wahrnehmungen sind nicht mit Sehprozessen zu erklären.
Normalerweise treten unter kritischem Blutdruckabfall mit Bewusstseinsverlust (Synkopen) kaum je Tunnelerlebnisse auf. Die Vorzeichen bestehen eher aus verschwommener oder schwindender Sehkraft, Farbwechsel oder Schwarzwerden (Black-out). Das am häufigsten auftretende Symptom des Schwarzwerdens vor den Augen liegt darin begründet, dass der Augeninnendruck etwas höher liegt als der Hirndruck und deshalb die Netzhaut früher als das Gehirn nicht mehr richtig durchblutet wird. Deshalb schalten die Netzhautzellen vor der Sehrinde ab, womit in der Sehrinde noch kurzzeitig ein Schwarz wahrgenommen wird, bevor auch die Hirnrinde abschaltet, das bewusste Wahrnehmen eingestellt wird und die Ohnmacht folgt.
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