Nancy Bush und Bruce Greyson [1] haben fünfzig Fälle von negativen NTEs untersucht und daraus drei Typen abgeleitet. Diese wurden später bei Barbara Rommer [2] durch einen weiteren Typus ergänzt:
Die Ärztin Barbara Rommer fügte als vierten Typus den belastenden Lebensrückblick hinzu. Üblicherweise wird berichtet, dass der Lebensrückblick zwar leid- und schamvolle Empfindungen auslöse, weil die betroffene Person die bei den Mitmenschen ausgelösten Emotionen selber durchlebt. Doch durch die anwesende Liebeskraft würde man sich keinesfalls verurteilt fühlen, sondern vielmehr getragen und getröstet. Bei der negativen Lebensbilanz fehlt diese umfassende Liebe und es dominiert das Gefühl, man sei verurteilt, weil man sein Leben schlecht geführt hat.
Die hier vorgestellten Unterscheidungskriterien bleiben schematisch und können, wie oft bei Klassifikationsversuchen, der Komplexität von NTEs nicht ganz gerecht werden. Umso weniger, als sich positive NTEs in negative wandeln können und umgekehrt. In der Untersuchung von Rommer begann die Erfahrung des dritten Typus für 13% friedvoll, ging dann aber in eine höllische NTE über. Bei 47% der Fälle wiederum begann die Erfahrung in höllengleichen Regionen und endete meist positiv, sei es durch die Intervention einer Hilfe aus dem Licht oder mittels einer innigen Bitte um göttlichen Beistand.[3]
Der häufigste Typus beinhaltet dieselben Elemente wie eine angenehme NTE, beispielsweise die ausserkörperliche Erfahrung oder das schnelle Fliegen durch einen Tunnel. Es dominieren jedoch negative Emotionen wie Verunsicherung und Angst. Gerade Menschen, die eine Vorahnung des eintretenden Todes empfinden oder die schon einmal eine NTE hatten, können abwehrend reagieren, wenn sie nicht bereit sind, zu sterben. Sie wehren sich beispielsweise verzweifelt – meist mit mässigem Erfolg – gegen das Fliegen durch den Tunnel und erleben die an sich erfreuliche Erfahrung damit als belastend.
Die zweite, seltenere Form negativer NTEs beruht auf der hyperrealen und zutiefst erschreckenden Erfahrung völliger Einsamkeit und Leere. So verharrt jemand zum Beispiel in einem stockfinsteren Raum und hat das Gefühl, auf ewig verlassen und hilflos zu sein. Gelegentlich wird der Person auf hämische Art klar gemacht, ihre Existenz sei nur das Trugbild gemeiner Mächte gewesen und ihr irdisches Leben nur leerer Schein. All diejenigen, die sie geliebt hätten, hätten gar nie wirklich existiert. Auch gebe es keine gute Macht, die helfen könne.
Die wahrscheinlich seltenste Form ist die Erfahrung einer höllengleichen Region, in welcher menschliche Zerrbilder, schreckliche Tiere und Dämonen hausen, wo ein vernichtendes Feuer brennt und die ganze Umgebung als absolut beängstigend und grauenhaft wahrgenommen wird. Es finden sich klassische Aspekte der Höllendarstellungen wieder: Dunkelheit, ohrenbetäubendes Geschrei, bösartige Stimmen und unerträglicher Gestank. Die Betroffenen scheinen häufiger Zeugen von höllischen Folterszenen zu sein, als dass sie selber gefoltert werden.
Referenzen
1 Greyson B., Bush N.E., Distressing Near-Death Experiences. Psychiatry, 55: 95-110, 1992
2 Rommer, B. R., Der verkleidete Segen: Erschreckende Nah-Todeserfahrungen und ihre Verwandlung, Goch 2004, S. 56f
3 Rommer, B. R., Der verkleidete Segen: Erschreckende Nah-Todeserfahrungen und ihre Verwandlung, Goch 2004, S. 79, Fallbeispiele S. 65-110.