Bis heute sind mehrere hundert Nahtoderfahrungen von Kindern bekannt. Auch wenn es zu NTE’s von Kindern wenige Studien gibt, steht heute ausser Zweifel, dass Kinder jeden Alters Nahtoderfahrungen haben können.1)Sutherland, Ch. „Trailing Clouds of Glory“: The Near-Death Experinees of Western Children and teens. In: “The Handbook of Near Death-Studies: Hilden, J.M.(EdD), Greyson B., James D., Thirty Years of Investigation, Santa Barbara, 2009. Sogar Kleinkinder, die erst gerade sprechen gelernt haben, berichten über solche Episoden, die manchmal bis zur Geburt zurückreichen. Es gibt Berichte von Kindern, die ihre Eltern mit detaillierten Kenntnissen über die damaligen lebensbedrohlichen Umstände verblüfften, beispielsweise über die medizinischen Aktivitäten zur Abwendung des lebensbedrohlichen Sauerstoffmangels während der Geburt. Auch gibt es Fälle, in denen ein Kind bei seinem Nahtod-Erlebnis einem verstorbenen Geschwister begegnet sei, von dessen einstiger irdischer Existenz es keine Ahnung haben sollte. In zwei Fällen wusste das betreffende Kind sogar den Namen diese noch vor seiner Geburt verstorbenen Schwester zu nennen.

Aufgrund der modernen Wiederbelebungsmethoden ist davon auszugehen, dass die Anzahl Kinder mit NTE’s weiter zunehmen wird. Untersuchungen zeigen zudem, dass die Wahrscheinlichkeit, in lebensbedrohlichen Situationen eine Nahtoderfahrung zu machen, bei Kindern viel grösser ist als bei Erwachsenen. So sollen 85% der Kinder mit einem Herzstillstand eine NTE machen, während es bei den Erwachsenen zwischen 12% und 18% sind.2)Parnia S, Waller DG, Yeates R, Fenwick P. A qualitative and quantitative study of the incidence, features and etiology of near death experiences in cardiac arrest survivors. Resuscitation 2001;48:149-156.

Umso jünger das Kind zum Zeitpunkt seiner Todesnähe ist und umso schneller seine Erfahrung dokumentiert wird, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Beeinflussung durch die Umgebung, welche die kindlichen Schilderungen verzerren könnten.

Die nordamerikanische Schrifstellerin und Forscherin P.M.H. Atwater untersuchte über 270 NTE’s von Kindern. Es zeigten sich dabei ähnliche Elemente wie bei Erwachsenen. Dies wurde auch in einer Studienübersicht der IANDS bestätigt. Im Vergleich zu Erwachsenen waren die Nahtoderfahrungen aber von geringerer Komplexität und es kamen weniger voneinander abgrenzbare Elemente vor. Seltener waren auch die Lebensrückblicke. Kinder trafen während ihrer NTE häufiger auf bereits verstorbene Haustiere, auf unbekannte Waldtiere und auf noch lebende Personen, was bei Erwachsenen sehr selten ist. Zudem berichteten sie häufiger von Begegnungen mit unbekannten, bereits verstorbenen Verwandten. Gelegentlich konnten sie anhand später dazugewonnener Kenntnisse diese identifizieren.3)IANDS (International Association of Near-Death Studies), P. Kirchner, J. Holden, P.M.H. Atwater, M. Morse. Children’s Near-Death Experiences. 2003, Retrieved April 19, 2008. Aus: http://www.iands.org/nde_index/ndes/child.html

Die nordamerikanische Schrifstellerin und Forscherin P.M.H. Atwater untersuchte über 270 NTE’s von Kindern. Es zeigten sich dabei ähnliche Elemente wie bei Erwachsenen. Dies wurde auch in einer Studienübersicht der IANDS bestätigt. Im Vergleich zu Erwachsenen waren die Nahtoderfahrungen aber von geringerer Komplexität und es kamen weniger voneinander abgrenzbare Elemente vor. Seltener waren auch die Lebensrückblicke. Kinder trafen während ihrer NTE häufiger auf bereits verstorbene Haustiere, auf unbekannte Waldtiere und auf noch lebende Personen, was bei Erwachsenen sehr selten ist. Zudem berichteten sie häufiger von Begegnungen mit unbekannten, bereits verstorbenen Verwandten. Gelegentlich konnten sie anhand später dazugewonnener Kenntnisse diese identifizieren.4)IANDS (International Association of Near-Death Studies), P. Kirchner, J. Holden, P.M.H. Atwater, M. Morse. Children’s Near-Death Experiences. 2003, Retrieved April 19, 2008. Aus: http://www.iands.org/nde_index/ndes/child.html

P.M.H. Atwater zeigte in ihrer Untersuchung, dass 76% der NTE’s von Kindern angenehm waren, geprägt durch eine glückselige Empfindung, einer freundlichen Stimme oder einem liebevollen Wesens. So berichtete zum Beispiel ein Mädchen, das mit sechs Jahren an einer Meningitis erkrankt war, dass sie während ihrer ausserkörperlichen Erfahrung völlig frei von Schmerzen und von wunderbarem Licht umgeben gewesen sei. Unter ihr sei ein leidendes Mädchen im Bett gelegen, mit dem sie Mitleid bekommen habe. Darüber sinnend habe sie dann plötzlich realisiert, dass dieses Mädchen sie selbst sei. Bei diese Gedanken sei sie dann aber auch sogleich wieder in ihren physischen Körper zurückgekehrt.

Wie bei Erwachsenen finden sich auch bei Kindern nach deren NTE statistisch relevante Veränderungen wie:

  • veränderte biologische Parameter wie reduzierte Schlafdauer, geringere Medikationstoleranz und erhöhte Sensibilität gegenüber Allergenen;
  • erhöte Selbständigkeit respektive Verringerung der Eltern-Kind Bindung. Vermehrter Rückzug bzw. vermehrtes In sich gekehrt sein;
  • eine für das Alter auffällige Reife mit Interesse an philosophischen, spirituellen und religiösen Fragen sowie generellem Wissenshunger;
  • ein für den Entwicklungsstand unüblicher Zugang zu übergeordneten oder abstrakten Konzepten anstelle isolierter Details;
  • verstärktes Interesse an Nächstenliebe, an der Möglichkeit, anderen zu dienen oder zu helfen;
  • erhöhte Sensibilität gegenüber Gewalt, sei es in der Umgebung oder den Medien sowie gegenüber Lärm oder starkem Licht;
  • Entwicklung von Synästhesien (z.B. Farben riechen, Töne sehen) und von paranormalen Fähigkeiten.

Dass eine NTE die Ursache für solche Veränderungen sein kann, wird von den nächsten Angehörigen oft nicht wahrgenommen. Nicht selten wissen die Eltern nicht einmal, dass ihr Kind eine prägende Erfahrung durchgemacht hat. Fehlt in der Umgebung die dafür notwendige Kenntnis und erst recht das Verständnis, spricht das Kind bald nicht (mehr) darüber. Und da die auftretenden Änderungen im Verhalten und im Charakter in kindliche oder jugendliche Entwicklungsphasen fallen, werden sie meist der natürlichen Ausbildung eines bestimmten Persönlichkeitszuges angelastet.

Entsprechend den Erfahrungen der Erwachsenen kann sich der Kontrast zwischen der Alltagswelt und der wunderbaren Geborgenheit, die die Kinder während ihrer NTE erlebt haben, zu einer grossen Belastung führen. Selbst wenn sie in einer an sich liebevollen Umgebung leben. Die Kinder fühlen sich von ihrer Umwelt eingeengt, unverstanden und verlieren den Halt. Dass sie in dieses Leben zurückgeschickt wurden, betrachten sie als ihre eigene Schuld. Nach Atwater führt dies bei den Betroffenen zu einem erhöhten Alkohol- oder Drogenabusus und deutlich erhöhter Suizidrate. Den meisten aber gelingt im Verlauf der Jugend- oder Erwachsenenzeit eine erfolgreiche Integration dieser Erfahrung. Gefördert wird dies durch die Möglichkeit, die eigene Umgebung nun aktiv beeinflussen zu können und fördernd tätig zu sein, um diese Welt etwas näher dem Licht zu bringen, das sie erlebt haben. Dies gibt ihrem Leben wieder einen Sinn. Atwater fand bei 3% der Kinder eine erschreckende oder höllenartige Erfahrung. Es ist zu wenig untersucht, welche Konsequenzen solch negative NTE’s auf die Betroffenen haben.

  • Eltern und Betreuende spielen eine absolute Schlüsselrolle in der Hilfe für betroffene Kinder. Die IANDS gibt dafür folgende Ratschläge:
    • An die Möglichkeit einer Nahtoderfahrung denken, wenn ein Kind einen schweren Unfall oder eine lebensbedrohliche Erkrankung hatte
    • Empathisch zuhören, wenn das Kind über eine solche Erfahrung in Todesnähe spricht. Darin liegt die beste Möglichkeit zu zeigen, dass man ihm glaubt. Dadurch kann es Vertrauen fassen in die eigene Erfahrung und im besten Falle Verständnis entwickeln für die ambivalenten Empfindungen, wie das Gefühl des “Zurück-Geschickt-Werdens” oder die Begegnung mit unirdischen Wesen.
    • Das Kind ermutigen, seine Erfahrung in einer Zeichnung oder einem Text festzuhalten.
    • Das Kind sensibilisieren, dass diese Erfahrung eine ganz persönliche und wertvolle ist, somit nur jemandem erzählt werden soll, dem es vertrauen kann.
    • Das oft wachsende Interesse des Kindes an spirituellen Fragen zulassen, ihm bei Wunsch die Möglichkeit der Teilnahme an religiösen Handlungen oder an der Errichtung eines heiligen Bereichs im Wohnraum behilflich sein.
    • Aufmerksam bleiben für allfällige Anzeichen von Isolation oder depressiver Entwicklung oder Substanzabhängigkeit. In solchen Fällen ist professionelle Hilfe ratsam.

Referenzen   [ + ]

1. Sutherland, Ch. „Trailing Clouds of Glory“: The Near-Death Experinees of Western Children and teens. In: “The Handbook of Near Death-Studies: Hilden, J.M.(EdD), Greyson B., James D., Thirty Years of Investigation, Santa Barbara, 2009.
2. Parnia S, Waller DG, Yeates R, Fenwick P. A qualitative and quantitative study of the incidence, features and etiology of near death experiences in cardiac arrest survivors. Resuscitation 2001;48:149-156.
3, 4. IANDS (International Association of Near-Death Studies), P. Kirchner, J. Holden, P.M.H. Atwater, M. Morse. Children’s Near-Death Experiences. 2003, Retrieved April 19, 2008. Aus: http://www.iands.org/nde_index/ndes/child.html